Mythos Endkunde – näher dran am wirklichen Entscheider

Mit dem Thema Bedürfnisforschung haben sich Führungskräfte und Studierende im Rahmen des Forschungsprojektes kitchen miles and more in Herford beschäftigt. In der Niederlassung der Julius Blum GmbH erfuhren Vertreterinnen und Vertreter der Hochschule OWL, der Küchenmöbel- und der Zulieferindustrie wie sich Endkunden die ideale Küche vorstellen.

„Schön und praktisch soll die Küche sein“, fasst Andreas Lubetz die Wünsche der Küchenkäufer zusammen. Beim Beschlägespezialist Blum arbeitet er in der Abteilung Bedürfnisforschung und hat die Anforderungen an die Küche empirisch untersucht. Dabei setzt Lubetz auf Beobachtungen im Alltag, Forschung in sozialen Medien und den Showroom des Unternehmens im österreichischen Dornbirn.

Andreas Lubetz kennt den Küchennutzer genau. Er weiß, was er in seiner Küche lagert (ca. 250 Kilogramm Staugut), wie oft er täglich im Durchschnitt die Besteckschublade öffnet (sieben Mal) und wie oft den Mülleimer (bis zu 34 Mal). Diese Erkenntnisse verdankt der Marketingexperte in erster Linie der Beobachtung im Alltag. 350 Familien stellten sich dem Unternehmen weltweit zur Verfügung und ließen sich in ihren Küchen filmen. Das Ergebnis hat Lubetz überrascht: „Der Küchennutzer läuft den ganzen Tag.“ Und nicht nur das: Auf der Suche nach Tellern, Töpfen und Tupperdosen muss er sich bücken, strecken, ja sogar auf die Arbeitsplatte klettern. Die Optimierung der Abläufe nimmt daher bei der Julius Blum GmbH einen hohen Stellenwert ein.

„Wir wollen Produkte herstellen, die in Alltagssituationen funktionieren“, betonte Lubetz. Mehr als 100 Entwicklerinnen und Entwickler arbeiten bei der Julius Blum GmbH daran. Doch die Produkte weiterzuentwickeln reicht nicht aus. Auch Küchenhersteller und –handel müssen überzeugt werden. Mehrwert zu verkaufen ist daher das Ziel von Olaf Hielscher vom Herforder Standort des Beschlägespezialisten. „Das müssen wir gemeinsam schaffen“, unterstrich er. „Das ist eine Chance für Hersteller, Handel, aber auch für den Endkunden.“

„Bedürfnisforschung ist eine Quelle der Innovation und Inspiration“, sagte Professor Martin Beeh im Anschluss an den Vortrag. „Je besser wir die Bedürfnisse, Wünsche und emotionalen Seiten des Erlebens erfassen, desto eher können wir Dinge entwickeln, für die der Kunde bereit ist, gutes Geld auszugeben. Das gilt besonders dann, wenn wir Bedürfnisse ansprechen, von denen der Kunde oder die Kundin noch gar nicht weiß und ihn oder sie auf diese Weise angenehm überraschen.“

Ihm schloss sich auch Jan Kramer an. Er studiert Holztechnik an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Lemgo, hat an der Lehrveranstaltung „Designmanagement“ teilgenommen und besucht regelmäßig die Veranstaltungen des Projektes kitchen miles and more, um Kontakt zu Vertreterinnen und Vertretern der Industrie zu pflegen: „Bedürfnisforschung ist ein wichtiges Element, um Kunden optimal zu bedienen“, urteilte er.

Die nächste Veranstaltung im Projekt kitchen miles and more findet am 9. Oktober an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Lemgo statt. Beim Designmanagement-Symposium 2013 stehen „Mensch und Technologie“ als Grundlage erfolgreicher Innovation im Mittelpunkt der Expertenvorträge und der interaktiven Workshops.

Das Projekt kitchen miles and more unterstützt Mitglieder der Marketinggemeinschaft Küchenmeile A 30 e.V. bei der Entwicklung des strategischen und operativen Designmanagements. Es wird gefördert durch die Europäische Union - Investition in unsere Zukunft - Europäischer Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und durch das Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen (MWEIMH).