Licht für jede Lebenslage

Lemgo. „Design und Licht gehören zusammen“, sagt Prof. Martin Beeh. Welche Emotionen Licht auslösen kann, erfuhren die zahlreichen Gäste aus Industrie und Wissenschaft am Mittwoch beim Leuchtenhersteller Zumtobel. Der Lehrstuhl für Designmanagement der Hochschule Ostwestfalen-Lippe hatte im Rahmen des Projektes „kitchen miles and more“ in das Lichtforum geladen. „Licht ist der erste Gestaltungsfaktor“, weiß Beeh um die Bedeutung der richtigen Beleuchtung. „Das ist auch relevant für die Küchenszene.“

In einem ersten Vortrag stellte die Innenarchitektin und Lichtplanerin Katja Kuhlmann die Marke Zumtobel vor und gab einen Einblick in die emotionale Komponente Licht. Im stimmungsvollen Lichtforum demonstrierte sie die unterschiedlichen Wirkungen des Lichts. Grünes Licht weckt Frühlingsgefühle, blaues dagegen lässt den Betrachter frösteln: Katja Kuhlmann weiß, welche Gefühle Licht auslöst. „Wir wollen nicht nur ,hell machen‘“, stellte die Diplom-Ingenieurin dabei heraus. Stimmungen zu entwickeln steht bei Zumtobel im Mittelpunkt.

Beim Rundgang unter dem Motto „Licht erleben“ demonstrierte Kuhlmann, wie unterschiedlich Licht wirken kann. So können zum Beispiel die Farben von Waren in Verkaufsräumen unterschiedlich betont werden. In Szene gesetzt hatte sie unter anderem einige Kleidungsstücke. Ein Knopfdruck rückte den blauen Schal in den Mittelpunkt, beim nächsten Lichtwechsel fällt plötzlich das rote Tuch ins Auge. Doch die emotionale Wirkung des Lichtes kann nicht nur bei der Ladengestaltung genutzt werden. Ob im Krankenhaus, der Produktion oder am Schreibtisch: „Wir wollen das beste Licht für den Menschen und unsere Umwelt schaffen“, fasste Katja Kuhlmann die Zumtobel-Firmenphilosophie zusammen.
Möglich macht dieses Wechselspiel die LED-Technik. „Seit 14 Jahren beschäftigen wir uns mit dem Thema, heute machen die LEDs bereits 75 Prozent des Umsatzes aus“, sagte Vertriebsmarketingmanager Torsten Stoesser. Er erläuterte die Besonderheiten der LED-Technologie – von den Grundlagen bis zur praktischen Anwendung. 500 Mitarbeiter sind am Standort Lemgo in der Produktion beschäftigt, hinzukommen 200 Mitarbeiter in der Vertriebszentrale. Sie entwickeln das Licht für jede Lebenslage: strahlend für die Ladengestaltung, natürlich für das Museum, sogar motivierend am Arbeitsplatz. „15 Minuten Lichtdusche am Morgen ersparen eine Tasse Kaffee“, verspricht Stoesser. Er zeigte außerdem, inwiefern die LED-Technologie den aktuellen Forderungen eines nachhaltigen Einsatzes von Energie genügen kann und wie sich Licht und seine Technologien in einer Welt des Wandels bewegen. Auch Küchenhersteller können von der neuen Technik profitieren: „So kommen zum Beispiel die Dekore der Küchenmöbel besser zur Geltung.“ Davon konnten sich die Besucher direkt vor Ort überzeugen: an Küchenfronten, die Stoesser zur Demonstration ins Lichtforum gebracht hatte. „Es ist faszinierend zu sehen, dass eine kleine Veränderung der Beleuchtung ein Möbelstück ganz anders wirken lässt“, sagt Diplom-Ingenieurin Christine Naumann vom Projekt kitchen miles and more, das aus Mittel der EU und des NRW-Wirtschaftsministeriums gefördert wird.

Prof. Beeh sieht folgende Potenziale in der Arbeit mit Licht im privaten Umfeld: „Licht ist ein wichtiges emotionales Gestaltungsmittel. Wie wir heute gelernt haben, kann Lichttechnologie unseren Tagesrhythmus begleiten. Dies sollten die Raum- und Küchenplaner auch berücksichtigen und von der LED-Technologie profitieren. Wir stehen erst am Anfang der wirklichen Nutzung von LEDs im privaten Bereich. Ich bin gespannt, was wir in den nächsten Jahren an Entwicklungen sehen werden.“

„Die Stärke unseres Forschungsprojektes liegt besonders in der guten Vernetzung einerseits mit Küchenmöbelherstellern andererseits mit designnahen Branchen, wie in diesem Fall mit Zumtobel“, beschreibt Professor Martin Beeh von der Hochschule OWL die besondere Ausrichtung seiner Forschung, in deren Kontext die Veranstaltungsreihe stattfindet. Beeh ist Stiftungsprofessor der Marketinggemeinschaft A30 Küchenmeile e.V. und nimmt in seiner Forschung Design und Designmanagement als strategisches Instrument in den Fokus. Abschließend lädt Beeh zur führenden internationalen Küchenmesse „Living Kitchen“ nach Köln ein, die vom 14. bis 20. Januar 2013 dort stattfindet. Das Projekt „kitchen miles and more“ wird auf einem Gemeinschaftsstand mit der Marketinggemeinschaft A30 Küchenmeile e.V. eine Plattform zum Dialog über Chancen und Perspektiven im Küchenmöbeldesign bieten. Weitere Info unter www.livingkitchen-cologne.de

Eindrucksvoll bewiesen beide Vorträge und das hell erleuchtete Lichtforum, wie Licht eine Geschichte erzählen kann. Das Fazit des Abends lautete daher: Licht muss man erleben.

Das Projekt „kitchen miles and more“ entwickelt für und mit den Küchenmöbelherstellern der Marketinggemeinschaft A30 Küchenmeile e.V. Designmanagement als strategisches und operatives Werkzeug. Im Projekt werden Designaktivitäten und Zielmärkte der teilnehmenden Unternehmen umfassend analysiert, Einblicke in andere Branchen gewonnen, Kontakte zu Hochschulen und Institutionen der Designförderung hergestellt sowie Netzwerkabende und Workshops zur stetigen Auseinandersetzung mit dem Thema des operativen Designmanagements und zur konkreten Umsetzung veranstaltet. Ziel ist es, durch Wissenstransfer im Bereich des operativen Design-Managements die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft von Unternehmen der deutschen Küchenmöbelindustrie voranzubringen. Das Projekt wird in seiner dreijährigen Laufzeit vom Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen im Rahmen des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung der europäischen Union gefördert.