Design und Schutzrechte: Netzwerkabend des Projektes kitchen miles and more

Es ist ein Diebstahl der besonderen Art: das Plagiat. Der Umgang mit dem geistigen Eigentum stand im Mittelpunkt der Veranstaltung „Design und Schutzrechte“ des Forschungsprojektes kitchen miles and more.

Professor Martin Beeh (Hochschule Ostwestfalen-Lippe) hatte Vertreterinnen und Vertreter aus Industrie und Hochschule ins Museum Plagiarius geladen. „Es geht dabei um Millionenschäden, die der Industrie jedes Jahr durch dreiste Imitationen von Originalprodukten entstehen. Wie man sich dagegen schützen kann und vor allem wie man die richtige Strategie in Sachen Designschutzrechte entwickelt, sollten alle Verantwortlichen erfahren“, stellte er die Bedeutung des Themas heraus.

Original oder Kopie? Bei den mehr als 250 Exponaten im Museum in der Solinger Innenstadt ist das nicht zu unterscheiden. Seit sechs Jahren werden im Museum die Fundstücke aus der gleichnamigen Aktion „Plagiarius“ gezeigt. Initiator der Aktion war Ende der 1970er Jahre der Designer Prof. Rido Busse. Selbst mehrfach vom Ideenklau betroffen, kämpft er für den besseren Schutz des geistigen Eigentums. Mit der Verleihung des Negativpreises „Plagiarius“ macht er Öffentlichkeit und Gesetzgeber erfolgreich auf die Problematik aufmerksam.

Christine Lacroix, Geschäftsführerin der Plagiarius Consultancy GmbH, führte die Besucherinnen und Besucher durch die Ausstellung. Bei den jährlich etwa 10.000 Besuchern erregen besonders die technischen Exponate Aufsehen. Auf den ersten Blick sehen sie den Originalen täuschend ähnlich, doch der Fehler steckt im Detail: Felgen, die bei Belastung reißen, Motorsägen, bei denen Griffe abbrechen oder Wasserhähne mit bleihaltigem Innenleben. „Plagiate richten nicht nur wirtschaftlichen Schaden an“, kommentiert Christine Lacroix. „Sie können auch Menschen gefährden.“ Sie rät Verbraucherinnen und Verbrauchern daher, immer genau hinzuschauen – speziell beim Kauf im Internet. Ist ein Produkt auffallend günstig, der Shop oder die Verpackung nicht seriös sollten Kunden sich nach Alternativen umschauen. Die Konkurrenz beobachten und eigene Ideen zu schützen ist dagegen für Unternehmerinnen und Unternehmer besonders wichtig. „Schutzrechte anmelden und speziell das Design immer schützen“, empfiehlt Christine Lacroix. „Wird dennoch rechtsverletzende Ware entdeckt: Schnell handeln!“.

„Nur wer schnell handelt, kann seine Ansprüche durchsetzen“, betont auch Dr. Thorsten Graf, Fachanwalt für gewerblichen Rechtsschutz aus Herford. Er vertritt unter anderem Mandantinnen und Mandanten aus der Möbel- und Zulieferbranche im Bereich des Marken-, Geschmacksmuster- und Wettbewerbsrechts. Wird die Kopie eines eingetragenen Geschmacksmusters entdeckt, ist der erste Schritt eine Abmahnung. Sie fordert den Nachahmer auf, sein Produkt nicht mehr anzubieten. Darüber hinaus kann eine gerichtlich angeordnete einstweilige Verfügung den Vertrieb von gefälschten Produkten untersagen. Auf dem Rechtsweg lassen sich zudem Schadensersatzansprüche durchsetzen. Die Aussichten sind dabei gut: „In 80 Prozent der Fälle ist man damit erfolgreich“, weiß Dr. Thorsten Graf.

„Der beste Schutz ist es, eigene Ideen zu entwickeln“, sagt dagegen Rainer Kalesse, Chefdesigner des Küchenherstellers Nolte. Beim Thema Ideendiebstahl richtet er den Blick stärker auf das eigene Unternehmen als auf die Konkurrenz: Ihm ist es wichtig, eigenständige Küchen zu entwerfen, ohne dabei die Trendrichtung aus den Augen zu verlieren. Kopien dürfe man nicht akzeptieren, doch verhindern könne man sie nicht. „Uns ist es wichtiger, ganz vorn zu sein.“
Mit der Veranstaltung „Design und Schutzrechte“ klingt für das Projekt kitchen miles and more ein erfolgreiches Jahr aus. Die ausgewählten Themen finden ein breites Interesse bei den Entscheidern der Küchenmöbelindustrie, aber generell bei der Holz- und Möbelindustrie. Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter der Zulieferindustrie und der Dienstleister der Branche bestätigen, dass der offene Informationsaustausch mit Fachreferentinnen und Fachreferenten und auch unter den Besucherinnen und Besuchern wesentlich zur Beliebtheit des Veranstaltungsformates beitragen. Mit einer Mischung aus Workshops, Netzwerkabenden und dem jährlichen Designmanagement-Symposium bieten Professor Martin Beeh und seine Mitarbeiterin Anna-Katharina Spielvogel auch in 2014 die Möglichkeit zum Netzwerken und zur Auseinandersetzung mit wichtigen Themen, die die Küchenmöbelindustrie bewegen.

Das Projekt kitchen miles and more entwickelt für und mit den Küchenmöbelherstellern der Marketinggemeinschaft A30 Küchenmeile e.V. Designmanagement als strategisches und operatives Werkzeug. Mit einer Vielzahl von Veranstaltungen wie Netzwerkabenden, Workshops und Wettbewerben bietet es eine Plattform, um die Stärken der Unternehmen in Design und Innovation zu fördern. Gefördert wird kitchen miles and more von der Marketinggemeinschaft A30 Küchenmeile e.V., vom Ministerium für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen und von der Europäischen Union (EFRE) – Europa.